Sonntag, 15. Juni 2008

Eine Kriegsgeschichte


von Felix Linz, Jelle Leon Stolze und Lisbeth Lene Wenzel


Ein Riesenroboter mit Keule und Laserpistole schoss einen anderen Roboter damit tot. Der kaputte Laserroboter ist wieder zum Leben erwacht und wurde sofort wieder totgeschossen. Dann kamen die Panzer und haben versucht, den Riesenroboter zu Schrott zu schießen. Dann hat der Riesenroboter mit einem Schuss den Panzer mit den Soldaten abgeschossen. Dann kam ein anderer Panzer und hat einen anderen Panzer totgeschossen. Und ein anderer Panzer hat sich selber totgeschossen. Dann kamen lauter Roboter und haben versucht, den ganzen Schrott wegzuräumen. Das haben sie aber nicht geschafft, weil ganz viele Riesenroboter sie totgeschossen haben. Dann kamen lauter Darsfalter und haben mit ihrem Laserkanonen auf die Riesenroboter geschossen. Und dann kamen die Panzer von den Darsfaltern und haben die anderen Panzer totgeschossen. Da kam Darswader und hat mit seinem Laserschwert die ganze Panzer- und Roboterwelt und mit seiner Laserpistole auch die anderen totgeschossen. Da kamen aber aus einer anderen Welt Krieger und haben Starwars totgeschossen.

Felix Linz, Jelle Leon Stolze und Lisbeth Lene Wenzel (alle geb. 2002) sind Kinder der Waldkindertagesstätte Hamburg-Bergedorf der AWO. Innerhalb eines Projekts diktierten sie den Erziehern selbst erfundene Geschichten. Vielleicht werden spätere friedliebendere Generationen sich einmal diese Geschichte vorlesen, um sich an die Absurdität des Krieges zu erinnern.


Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Kinder und ihrer Erziehungsberechtigten.

Sonntag, 1. Juni 2008

TELEGRAMM VON EINER SEE



die Küste: mehr oder weniger

Randgebiet. das Wasser: eher signifikant

die Wellen: freie Radikale.



von Ron Winkler

Ron Winkler, geboren 1973. Studium von Germanistik und Geschichte in Jena. Tätigkeiten als Redakteur und Lektor. Derzeit freier Schriftsteller und Übersetzer. Lebt in Berlin. "Telegramm von einer See" wurde auch als Auftragsarbeit der Literaturwerkstatt Berlin von der argentinischen Komponistin Ana María Rodriguez für Sprecher, Instrumente und Live-Elektronik musikalisch umgesetzt und beim poesiefestival berlin 2007 uraufgeführt. Weitere Aufführungen 2007 im Konzerthaus Berlin und in der Carnegie Hall, New York.


"Geschult an der Tradition der deutschen Naturlyrik von der Romantik bis zur Naturmagischen Dichtung gelingt es ihm, das Naturgedicht ein weiteres Mal zu aktualisieren und als Referenz eines modernen Lebensgefühls nutzbar zu machen. Dabei sind die Analogien, von einer Landschaft auf einen Text und von einem Text auf eine Landschaft zu schließen, noch einmal unterbrochen von einem in Natur gestelltem Subjekt, das als meinungskompetente Person ebenso inszeniert wird wie als Rede- und Denkfigur. Beide Konfigurationen sind gekennzeichnet von Ironie und Selbstironie, Spiel und Komik sowie immer auch von existenzieller Ernsthaftigkeit."
(aus der Begründung der Jury für die Verleihung des Leonce-und-Lena-Preises 2005)


Zur Homepage von Ron Winkler.


Gedicht aus: Ron Winkler. Fragmentierte Gewässer. Gedichte. Berlin-Verlag, Berlin 2007. Seite 25.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Autor und Verlag.