Mittwoch, 15. April 2009

Gefährten des Mondes


von Udo Wenzel



IV. Wie es Euch gefällt


Im vierten Teil der Serie mit Haiku zum Thema Mond kommen meine Leser zu Wort. Auf meine Einladung zur Einsendung von Lieblingshaiku zum Thema Mond wurden unter anderem die folgenden Gedichte eingeschickt:



Das Glühwürmchen

gejagt, flüchtet sich

in den Mond.



von Oshima Ryota (1707-1787)



Dem heißen Bad entstiegen -

ins helle Mondlicht hinein.



von Taneda Santôka (1882-1940)



Wasser holen -

in beiden Eimern

das Schwanken des Mondes



von Gerd Börner (geb. 1944)


Vielen Dank an alle, die mir ihre Favoriten zugeschickt haben. Aus urheberrechtlichen Gründen möchte ich an dieser Stelle nicht mehr als drei Haiku vorstellen. Eine Liste mit allen eingesandten Beiträge lasse ich gerne allen Interessierten zukommen. Stichwort: Leserliste Mondhaiku.



Aktuelles über den Mond:

Der nächste Vollmond geht am 9. Mai 2009 um 20:51 Uhr (MEZ) auf. Wer Glück hat, kann bei sternenklarem Himmel am Abend des 6. und 7. Mai beobachten, wie der nahezu volle Mond an Spica vorbeizieht. Spica ist der hellste Stern im Sternbild Jungfrau und der fünfzehnthellste Stern von der Erde aus gesehen.



Die auf 12 Folgen angelegte Haikusammlung „Gefährten des Mondes“ erscheint immer am 15. eines Monats.




Im Videoschnipsel heute ein Ausschnitt aus dem Film "The Wizard of Oz", das mit Musik von Pink Floyds "Dark Side of the Moon" unterlegt wurde.

Gefährten des Mondes Teil I: Große Erwartungen

Gefährten des Mondes Teil II: Mondrausch und taghelle Mystik
Gefährten des Mondes Teil III: Kein Mond, Nirgends

Mittwoch, 1. April 2009

Luftpost




diesiger mittag, die krähe

schwingt sich vom dach

ihr gezogener anflug

bindet die flächen der luft, nur

verzögert die landung

das haarfeine rucken

des blicks

hinterm fenster





von Nico Bleutge


Nico Bleutge, geboren 1972 in München. Studium der Germanistik, Allgemeinen Rhetorik und Philosophie in Tübingen. Das Gedicht stammt aus dem jüngsten Buch des Essayisten, Lyrikers und Literaturkritikers: "fallstreifen. gedichte". Es ist nach "klare konturen" der zweite Lyrikband des Autors. Nico Bleutge gilt als größte Begabung unter den jüngeren deutschen Dichtern. Er beschreibt in seinen Gedichten in ausgefeilter Sprache und Rhythmus das alltäglich Wahrnehmbare, intensive Augenblicke, knappe eindringliche Bilder, häufig aus der Natur. Dabei ist seine Dichtung weder reine Naturdichtung noch behauptet sie, sich alleine vom erlebten Augenblick zu nähren. Nico Bleutge verwendete für viele seiner Gedichte "fremdes Textmaterial", Gedichte und Textstellen von Walter Benjamin, H.C. Artmann, Emily Dickinson und anderen. Zudem führen einige Gedichte an historische Orte und Szenen vom Barock bis zum Zweiten Weltkrieg. Bleutge selbst erscheint in seinen Gedichten zwar gelegentlich, doch nicht als subjektiv wertendes Ich, sondern als Horchender, Sehender, Spürender, wie man es auch von vielen Haiku kennt. In vielen seiner Gedichte taucht "Luft" in verschiedenen Zuständen auf. Vielleicht ist dies einer der Gründe, weshalb seine Gedichte so leicht, durchlässig und schwebend erscheinen.



Aus Nico Bleutge: fallstreifen. gedichte. Verlag C.H. Beck.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Verlags. © Verlag C.H. Beck Verlag oHG, München 2008.