Montag, 15. Juni 2009

Gefährten des Mondes


von Udo Wenzel



VI. Mondbildnisse



Im vollen Mondlicht

mächtig die Schatten im Park -

und dieser Flieder!



Dieses Haiku von Horst Ludwig, das in der Mitglieder-Anthologie 2007 der Deutschen Haiku-Gesellschaft veröffentlicht wurde, könnte man sich sehr gut als romantisches Gemälde vorstellen. Präsentiert werden könnte dieses fiktive Bildnis derzeit in der Ausstellung Der Mond, die noch bis zum 16. August 2009 im Wallraf-Richartz-Museum in Köln zu sehen ist. Zu der kunsthistorischen Ausstellung ist ein gleichnamiger Katalog im Verlag Hatje Cantz erschienen. Wer keine Möglichkeit hat, die Ausstellung zu besuchen, kann sich mit der Lektüre des liebevoll und großzügig gestalteten Bandes trösten. Er umfasst 304 Seiten, 160 der 180 Abbildungen sind farbig. Das Buch möchte einen Ansatz liefern zu einer Ikonografie des Mondes. Trotz anhaltender Mondfaszination gibt es bis heute noch keine umfassende Darstellung der Geschichte des Mondes als Motiv in der Kunst. Hierfür wurden für die Ausstellung Bilder von europäischen Künstlern und Wissenschaftlern vom späten Mittelalter bis zur Gegenwart gesammelt. Im Vorwort des Katalogs entschuldigt sich der Herausgeber Andreas Blühm für diese eurozentrische Begrenztheit: „Da aber die Erfindung des Telekops (um 1609), der Fotografie (1839) und der Raumfahrt (Mitte des 20. Jahrhunderts) westlichen Ursprungs sind, ist es dennoch möglich, eine wesentliche Bildergeschichte vom Mond zu präsentieren. Diese drei Epochenschritte markieren die entscheidenden Veränderungen und bestimmen auch die Gliederung dieses Buches.“ (S. 48)

Die Unterteilung in Kapitel wurde in sechs Mondphasen gestaltet: In „In himmlischen Sphären“ sind mittelalterliche Monddarstellungen von Stefan Lochner bis Albrecht Dürer zu sehen. „Der Blick durch das Teleskop“ zeigt erste Mondbilder, die die im technischen Hilfsmittel entdeckte Realität künstlerisch verarbeiten. Eine Mondphase widmet sich der „Aufklärung und Romantik“ und präsentiert Zeugnisse der Ent- und Verzauberung des Mondes in der bildenden Kunst. In „Scharf und Unscharf“ sind erste Fotografien zu sehen; die Möglichkeit der exakten Abbildung mittels Apparatur führte dazu, dass viele Künstler sich auf eine Innensicht besannen: Die Malerei wurde impressionistisch. In die Moderne führt uns die Mondphase „Neue Mondfantasien“, die von der Sehnsucht nach erneuter Verzauberung des durch moderne Technik entzauberten Himmelskörpers kündet. Der Band schließt mit dem Kapitel „Die Raumfahrt und die Bilder“.

Begrüßt und verabschiedet wird man im Katalog von den vierzig faszinierend realistischen Kupferstichen der Mondphasen von Hevelius (1611-1687), der als Begründer der Kartographie des Mondes gilt. Selten fand man diese frühen Monddarstellungen in solcher Qualität vereint. Allein schon diese ganzseitigen Abbildungen lohnen meines Erachtens einen Blick in das Buch, aber auch alle anderen Fotografien sind erstklassig reproduziert. Die vielen kenntnisreichen Textbeiträge lassen sowohl den vertrauten Mond als auch den Betrachter selbst auf neue Weise sehen. Das Buch „Der Mond“ ist direkt im Museum erhältlich oder kann im Buchhandel erworben werden.





Copyright des Haiku bei Horst Ludwig mit freundlicher Genehmigung des Autors. Aus: Haiku 2007, Anthologie der Mitglieder der Deutschen Haiku-Gesellschaft. Herausgegeben von Martin Berner, 2008, S. 44.


Aktuelles über den Mond:

Den letzten Vollmond konnte man am Montag, den 7. Juni 2009 beobachten. Am Montag, den 22. Juni ist Neumond. Am Dienstag, den 07. Juli ab 20:46 Uhr MEZ wird der Mond bei wolkenfreiem Himmel erneut im vollen Glanz zu sehen sein.



Einladung

Im Juli 2009 jährt sich zum 40. Mal die erste Mondlandung (am 21.07.1969). Anlässlich dieses Jahrestages möchte ich in der Juli-Ausgabe des Taubenschlags gelungene Haiku präsentieren, die den ersten Mondflug bzw. die Erinnerung daran thematisieren und bitte meine Leser um thematisch passende Einsendungen eigener Haiku bis zum 10. Juli 2009.



Die auf 12 Folgen angelegte Haikusammlung „Gefährten des Mondes“ erscheint meist am 15. eines Monats.




Pooringmoon from Cabbytube on Vimeo

Im Videoschnipsel heute ein Mondkurzfilm, den ich auf auf dem Videoportal "Vimeo", der anspruchsvollen Alternative zu You tube, gefunden habe.



Möchten Sie den Text lieber Schwarz auf Weiß lesen?


Gefährten des Mondes Teil I: Große Erwartungen

Gefährten des Mondes Teil II: Mondrausch und taghelle Mystik
Gefährten des Mondes Teil III: Kein Mond, Nirgends
Gefährten des Mondes Teil IV: Wie es Euch gefällt
Gefährten des Mondes Teil V: Nur der Mond schaut zu

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