Samstag, 1. August 2009

Weit weg


von Ralf Bröker


Wir feiern den einundvierzigsten Geburtstag meiner Schwester. Unsere Mutter erinnert sich zwischen Käsespießchen und Pils an die Schwangerschaft, erzählt von meinem Kindermund: "Mama, Baby? Mama - Ka?"
"Immer wenn die Kleine geschlafen hat, hast Du vor ihrer Tür gestanden und wolltest rein. Im Juli dann haben wir Dich mal nachts aus dem Bett geholt. Du solltest dabei sein, wenn der erste Mensch den Mond betritt. Wir sind aber vor dem Fernseher eingeschlafen. Als wir wach geworden sind, war der Schrecken groß: Du warst weg. Gefunden haben wir Dich vor Karins Tür. Geschlafen hast Du dort. Ganz friedlich."


Wenn ich lange hinschau',
kommt er mir näher,
der Mond.


Ralf Bröker, geboren 1968 im Münsterland und dorthin nach einem Frankfurter Zwischenspiel zurückgekehrt, arbeitet im Rhein-Ruhr-Gebiet.



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